![]() Urgeschichte
| Frühes Christentum | Mittelalter
| Frühe Neuzeit 18. Jahrhundert | Moderne | 20. Jahrhundert | Heute um 7000 v. Chr. Die ersten Menschen - mesolithische Jäger und Sammler aus Nordengland - wandern nach Irland ein. 4. Jt. v. Chr. Eine neue neolithische Einwanderungswelle bringt den Ackerbau und die megalithische Bauweise nach Irland. 2500 v. Chr. Weitere Einwanderer vom Festland, unter anderen die so genannten "Glockenbecherleute" (Beaker), bringen die Kunst der Kupferbearbeitung ins Land; Gold wird exportiert. 1200-600 v. Chr. Späte Bronzezeit: Bronzewerkzeuge und -waffen sowie Goldschmuck zeigen immer fortschreitende Herstellungstechniken. um 300 v. Chr. Die Kelten vom Festland bringen die La Tène-Kultur und das Eisen nach Irland. Das Land ist in gut 150 Königreiche (Túrath) geteilt. Über dem Kleinkönig (Rí) steht der König einer Provinz (Rí Ruireg), über diesem wiederum der Hochkönig (Ard-Rí). um 300 n. Chr. Irische Überfälle auf Wales (Schottland) legen den Grundstein für den dortigen bis ins 8./10. Jh. andauernden irischen Einfluss. Die O'Neill von Tara sind das mächtigste Adelsgeschlecht. um 450 Christianisierung Irlands durch den Heiligen St. Patrick - heute als Nationalheiliger verehrt. ab 6. Jh. Blüte der irischen Mönchskirche: Die Sippenstruktur der irischen Gemeinschaft findet ihre Fortsetzung in der Klostergemeinschaft. Die Äbte, meist Adlige, sind oft auch Bischöfe und gründen zahlreiche Tochterklöster, was ihnen eine dem Rí Ruireg vergleichbare Stellung im geistlichen Bereich verschafft. Die Klöster liegen auf dem Land der Túath und gehören so zur Sippe (Eigenkirchenwesen). ab 800 Wikinger-Einfälle begünstigen die Herausbildung des Hochkönigtums (Rí co Fresabra - König mit Opposition). Die Wikinger gründen Städte (unter anderem Dublin, Waterford, Wexford), führen die Geldwirtschaft ein und werden schließlich christianisiert und assimiliert. 1014 Schlacht von Clontarf: Der Hochkönig Brian Boru besiegt die Wikinger, fällt jedoch in der Schlacht. 1152 Synode von Kells/Mellifont: Der Höhepunkt der irischen Kirchenreform führt zur territorialen Neuorganisation der irischen Kirche; Bistümer werden neu gegründet. um 1155 Heinrich II. von England erhält in der päpstlichen Bulle Laudabiliter die Erlaubnis, zur Reform der Kirche in Irland einzugreifen. 1169 Nach einem Hilfegesuch des irischen Königs Dermot Mac Murrough an Heinrich II. besetzen in dessen Auftrag anglowalisische Normannen Irland. Ihr Anführer ist Gilbert Fitz Richard, auch genannt Strongbow. 1210 Heinrichs Sohn Johann (Ohneland) kommt nach Irland, um die Insel für die englische Krone zu unterwerfen. Bis ca. 1250 geraten zwei Drittel des Landes in den Besitz der anglowalisischen Barone, im Rest herrschen die irischen Rís weiter. Im Folgenden werden die neuen Herren weitgehend von der irischen Kultur assimiliert (so genannte Angloiren). 1315-18 Eduard Bruce, der Bruder des schottischen Königs, überfällt Irland und kann sich zum Hochkönig aufwerfen - diese Usurpation macht die Schwäche der Englischen Krone offenbar. 1366 Die Statuten von Kilkenny versuchen durch eine Art von "Rassegesetzen" (Verbot der irischen Sprache und von Mischehen), die Gaelisierung der anglo-irischen Ober- schicht zu stoppen, aber alle Unterdrückungsmaßnahmen bleiben letztlich vergeblich. 15. Jh. Die englischen Rosenkriege spiegeln sich in den Kämpfen der Butler von Ormond (pro Lancaster) gegen die Geraldines von Kildare (pro York) wieder. Anstelle des Lord Lieutenant nimmt nun ein Vizekönig die Belange der Krone in Irland wahr. Garrett More, der achte Earl of Kildare, dominiert die irische Politik an der Wende zum 16. Jahrhundert. ab 1534 Heinrich VIII. von England beginnt seine Macht über die ganze Insel auszudehnen (Sturz des Hauses Kildare). Die Reformation trifft auf eine desolate irische Kirche. Im Zuge der Säkularisierung werden an die 400 Klöster zerstört. 1541 Heinrich VIII. nimmt den Titel eines Königs von Irland an (bis dahin Lord of Ireland). 1569-83 Der Aufstand in Munster gegen Elisabeth I. von England scheitert trotz der Unterstützung durch die spanische Krone und den Papst. 1595 Aufstand von Red Hugh O'Donnell und Hugh O'Neill in Ulster. 1601 Eine spanische Flotte mit 4.000 Mann landet zu ihrer Unterstützung in Kinsale, doch die Verbündeten verlieren die Schlacht. 1603 Die irischen Führer müssen sich Jakob I. von England unterwerfen. Das soziale und politische Gefüge des gaelischen Irland mit seiner alten Kultur, den Stammesführern und dem Brehonenrecht wird ausgelöscht. An seine Stelle tritt die englische Zentralgewalt in Dublin und das Common Law. 1607 "Flucht des Grafen": Der Führer der beiden mächtigsten Clans von Ulster und ihres Anhangs schafft Raum für die Plantations, der Ansiedlung englischer Landbesitzer in Ulster. Red Hugh O'Donnell und Hugh O'Neill fliehen bei Nacht und Nebel ins katholische Exil nach Spanien. 1649/50 Cromwell in Irland. 1690 Der katholische Jakob II., in der so genannten Glorious Revolution von 1688 durch den Protestanten Wilhelm von Oranien entthront, versucht mit französischer Hilfe, von ihm treu ergebenen katholischen Irland aus seinen Thron zurückzuerobern. Er unterliegt am 1. Juni in der Schlacht am River Boyne, einer entscheidenden Wende in der irischen Geschichte. Die Protestant Ascendancy wird gegründet. 1691 Nach dem gebrochenen Vertrag von Limerick schließen Strafgesetze (Penal Laws) die Katholiken vom Recht auf Landbesitz aus. Als Folge davon reißen englische Protestanten den Großteil des Landes und die gesamte politische Macht an sich. Die Führung der nicht emigrierten Iren übernimmt die katholische Kirche. Eine restriktive Handelspolitik, unter anderem Ausfuhrverbote für Wollerzeugnisse, macht Irland zum rückständigen und wie eine Kolonie ausgebeuteten Armenhaus Großbritanniens. 1782-1800 Grattans Parlament: Die protestantisch-patriotische Freiwilligenbewegung (Volunteers' Movement) erzwingt handelspolitische und verfassungsrechtliche Verbesserungen für Irland. 1798 Aufstände der United Irishmen, einer von Wolfe Tone gegründeten national- revolutionären Bewegung. Tone selbst entzieht sich der Hinrichtung durch Selbstmord - ein neuer irischer Mythos, der von den tapferen, aber scheiternden Revolutionären - ist geboren. 1801 Act of Union: Das irische Parlament wird aufgelöst. Irland entsendet nun 100 Abgeordnete ins Parlament von Westminster. 1803 Robert Emmet wird nach dem Scheitern einer von ihm geführten Rebellion hingerichtet. Auf dem Land kämpfen zahlreiche Geheimbünde (wie die Blackfeet, Whitefeed) gegen die britischen Grundbesitzer. 1823 David O'Connell gründet die Catholic Association. O'Connell, der "Liberator", bringt erstmalig in der irischen Geschichte eine funktionsfähige Massenbewegung (1828 3 Millionen Mitglieder) auf die Beine. Auf den so genannten "Monster Meetings" kommen bis zu 250.000 Menschen zusammen. 1829 Aufhebung der antikatholischen Strafgesetze. 1846-51 Die Große Hungersnot: In dem geschwächten Land scheitert die nationale Erhebung des "Jungen Irland" - protestantische Oberschichtenjünglinge wie Thomas Davis versuchten, die revolutionären Ideen Wolfe Tones wiederzubeleben. 1858 Die neugegründete Irish Republican Brotherhood hat sich der Unabhängigkeit Irlands verschrieben - wenn nötig auch mit Waffengewalt. 1870 Home Role-Bewegung (Forderung nach irischer Selbstverwaltung) von Isaac Butt gegründet. 1879 Die Land League von Michael Davitt mit dem Ziel gegründet, die Pachtbauern vor Wucherzinsen und Kündigungen zu schützen. 1885 Höhepunkt der politischen Macht von Charles Stewart Parnell, der durch seine Obstruktionspolitik den Regierungsbetrieb in Westminster zumindest zeitweise lahmlegen kann. Mit seinen 86 irischen Abgeordneten unterstützt "der ungekrönte König Irlands" Premier Gledstone gegen das Versprechen irischer Home Role, das jedoch nie eingelöst wir. Parnell stürzt über eine Affäre mit der verheirateten Kitty O'Shea und stirbt verbittert 1891. 1916 Osteraufstand: Am Ostermontag, dem 24. April 1916, erheben sich die Sinn Féinn ("Wir selbst") und Gewerkschafter James Connollys gegen die Briten. Padraig Pearse, zum Präsident der ausgerufenen irischen Republik gewählt, verliest die Unabhängigkeitserklärung. Schon nach fünf Tagen wird der militärisch von vornherein zum Scheitern verurteilte Aufstand niedergeschlagen. 15 Aufständische werden hingerichtet, doch die öffentliche Meinung in Irland beginnt sich definitiv gegen Großbritannien zu stellen. 1918 Sinn Féinn kann einen überwältigenden Wahlerfolg verbuchen. 1919-21 Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten, der mit der Aufnahme eines Freistaates Irland als selbständiges Mitglied des Commonwealth endet. Nordirland bleibt auf eigenen Wunsch bei Großbritannien. 1921-23 An der Teilung der Insel entzündet sich ein erbittert geführter Bürgerkrieg zwischen der Freistaatregierung und den Rebellen um Eamon de Valera, der 4.000 Tote fordert. 1932-48 Die Fianna Fáil lockert während ihrer ersten Regierungszeit die Bindung an Großbritannien. 1937 Neue Verfassung: Republic Éire. Während des II. Weltkrieges bleibt Irland neutral. 1949 Im Ireland Act verpflichtet sich Großbritannien, den Verbleib Nordirlands bei Großbritannien so lange zu garantieren, wie eine Mehrheit dies wolle. 1968 Die Entstehung der friedlichen nordirischen Bürgerrechtsbewegung markiert paradoxerweise den Beginn eines blutigen Bürgerkriegs. 1969 Auseinandersetzungen zwischen militanten Protestanten und der auf der Seite ihrer Glaubensbrüder einschreitenden RUC (die Polizei von Ulster), sowie der sich neu formierenden IRA (Irish Republican Army) veranlassen Großbritannien am 14. August zu einer bewaffneten Intervention. 1972 "Blutsonntag von Derry" am 30. Januar: Vierzehn unbewaffnete Bürgerrechtler werden von Soldaten erschossen. Nach dem Rücktritt des letzten nordirischen Premierministers Brian Faulkner unterstellt London im März des Jahres Nordirland direkt der britischen Regierung. Irland wird zusammen mit Großbritannien Mitglied der EG. 83 Prozent der Iren stimmen für diesen Entschluss. 1985 Das anglo-irische Abkommen von Hillsborough sieht die Gleichstellung der Katholiken in Nordirland, ein Mitspracherecht Dublins in Nordirland sowie eine verstärkte Verfolgung von IRA-Terroristen vor. 1990 Irland übernimmt die Präsidentschaft in der EG. Auf dem Außenministertreffen auf der Dubliner Burg wird unter anderem über die deutsche Wiedervereinigung verhandelt. 1992 Premierminister Haughey muss einer Abhöraffäre wegen seinen Hut nehmen. Nachfolger wird Albert Reynolds, beide Fianna Fáill. 69 Prozent aller Iren sprechen sich für die Ratifizierung des Vertragswerkes von Maastricht aus. 1992 Gerry Adams, Vorsitzender der Sinn Féinn, und der Sozialdemokrat John Hume starten eine Friedensinitiative. 1994 Sensationellerweise ruft die IRA im Herbst eine Waffenruhe aus. Reynolds stürzt über sein Festhalten an dem ultra-konservativen obersten Richter Whelehan, der Akten über sexuellen Mißbrauch durch einen Priester unterdrückt hatte. Nachfolger John Brutons von Fine Gael führt eine Minderheitsregierung mit Labour. 1995 Major und sein irischer Amtskollege Bruton präsentieren ein Rahmenabkommen als Grundlage für Mehrparteienverhandlungen. London und Dublin erklären sich bereit, ihren Souveränitätsanspruch auf Nordirland aufzugeben. London nimmt Gespräche mit der Sinn Fein auf. 1996 Die IRA kehrt zum Bombenterror zurück. Mit polizeilicher Gewalt durchgesetzte Märsche des protestantischen Oranier-Ordens am 12. Juli, dem Tag der Boyne-Schlacht, rufen in Nordirland bürgerkriegsähnliche Unruhen hervor. In Stormont (bei Belfast) beginnen Friedensgespräche, von denen die Sinn Fein zunächst ausgeschlossen ist. 1997 Der neu gewählte britische Premier Tony Blair bietet der Sinn Fein Gespräche an, ein erstes Treffen findet am 21. Mai statt. Nach dem Mord der IRA an zwei Polizisten werden die Kontakte jedoch wieder abgebrochen. Im Juli kehrt die IRA zum Waffenstillstand zurück, kurz darauf löst der Mord des protestantischen Milizenchef Billy Wright im Hochsicherheitsgefängnis Maze eine wochenlange Anschlagsserie aus. Bei den Präsidentschaftswahlen im November setzt sich Mary McAleese von den Fianna Fáil durch und wird zumindest bis 2004 im Amt bleiben. 1998 Die fortgesetzten Friedensverhandlungen fördern erste Ergebnisse zu Tage: Die Verhandlungsparteien einigen sich auf ein Abkommen ("Good Friday Agreement"), das am 22. Mai bei Referenden in Irland und Nordirland angenommen wird. Mitte August fordert ein Bombenanschlag der Splittergruppe "Real IRA" im nordirischen Omagh 29 Tote und 220 zum Teil schwer Verletzte. Bei der Wahl zum Provinzparlament in Stormont wird der als gemäßigt geltende Protestantenführer David Trimble zum Ersten Minister Nordirlands bestimmt, sein Stellvertreter soll der moderate Katholik Seamus Mallon werden. Im Herbst kommen Trimble und der Präsident der pro-irischen Sinn Fein, Garry Adams, als führende Vertreter der beiden politischen und religiösen Lager zum ersten Mal zusammen. Im Oktober erhalten Trimble und der gemäßigte katholische Nationalist John Hume den Friedensnobelpreis. 1999 Das Zieldatum für die Bildung einer nordirischen Regionalregierung verstreicht wegen des Streits um die Entwaffnung der IRA. Auch nach Krisengesprächen in Belfast kann keine Einigung erzielt werd. Im Juli beschließt das britische Unterhaus per Gesetz die sofortige Bildung einer nordirischen Regionalregierung vorsieht. Trimble lehnt eine gemeinsame Regierungsarbeit mit Sinn Fein ab, das Gesetz kann nicht umgesetzt werden. Ende des Jahres erklärt sich die IRA zu Verhandlungen über ihre Entwaffnung bereit und kündigt die Berufung eines Beauftragten für die Gespräche mit der Entwaffnungskommission an. Am 2. Dezember tritt die nordirische Allparteienregierung im Belfaster Parlamentssitz Schloss Stormont zu ihrer historischen ersten Sitzung zusammen. 2000 Anfang des Jahres bestätigt der Bericht der Entwaffnungskommission, dass die IRA nicht wie vorgesehen mit der Waffenabgabe begonnen hat. Daraufhin beschließt das britische Unterhaus die Absetzung der Mehrparteienregierung. Nordirland untersteht ab dem 11. Februar wieder britischer Verwaltung. Die IRA bricht ihre Verhandlungen mit der Entwaffnungskommission ab, ein von Blair einberufenes Krisengespräch zur Rettung des Friedensprozesses endet ohne Fortschritte. 2001 Bei einem Referendum am 10. Juni lehnt die Mehrheit der irischen Bevölkerung den Vertrag von Nizza ab. Die IRA erklärt sich im Oktober bereit, ihre Waffen abzugeben oder unbrauchbar zu machen. 2002 Bertie
Ahern kann die Wahlen zum Repräsentantenhaus vom 17. Mai eindeutig
für sich entscheiden. Mit 41,5 Prozent der Stimmen erhöht die
Fianna Fáil ihre Abgeordnetenzahl sogar von 73 auf 81 und verfehlt
somit nur knapp die absolute Mehrheit. Aherns alter und gleichzeitig neuer
Koalitionspartner, die Progressive Democrats, verdoppeln ihren Sitzanteil
von bisher vier auf acht Sitze. 2003 Beim
zweiten Anlauf stimmt die Mehrheit der Iren am 19. Oktober für den
Vertrag von Nizza an. Nachdem die geplanten Wahlen zu einem Regionalparlament
in Nordirland immer wieder wegen der Streitigkeiten zwischen den Volksgruppen
verschoben wurden, finden diese am 26. November endlich statt. Ein Erstarken
der radikalen politischen Lager schmälert jedoch die Hoffnungen auf
eine rasche Rückkehr zu einer Selbstverwaltung Nordirlands. 2004 Irland übernimmt am 1. Januar die halbjährliche EU-Präsidentschaft.
|